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Scharmützelsee mit Bad Saarow und Umgebung

Eine Reise rund um den Scharmützelsee verspricht faszinierende Momente. Erlebbar wird hier das Wechselspiel unberührter Natur und zauberhafter Endmoränenlandschaft. Reizvolle Täler wechseln mit sanftgeschwungenen, meist bewaldeten Hügeln. Dazwischen immer wieder spiegelnde Wasserflächen. Gepflegte Uferpromenaden wechseln mit urwüchsigen Naturpfaden, Feldgebüsche säumen satte Feucht- und Moorwiesen.

Überall finden sich Pflanzen und Tiere, die anderswo kaum noch zu entdecken sind. So wie die mannigfaltigsten Landschaftstypen hier verschmelzen, begegnen sich unterschiedlichste Arten von Lebensstilen. Besonders gut zu erkennen an den Spuren menschlichen Wirkens in Form uralter Katen über schlichte Wohnbauten bis hin zu prächtigen alten Villen und schlossähnlichen Anwesen mit Remisen samt zugehöriger Chauffeurwohnung.

Durch die märkische Landschaft sollte man jedoch möglichst mit Gelassenheit reisen. Es gibt viel zu versäumen, wenn man schnell und einfach nur geradewegs zu seinem Ziel fährt. Eile ist hier nicht ratsam, zugleich der kurvigen kleinen Straßen wegen. Lässt man bereits den Weg zum Ziel werden und lernt "reisen ohne zu rasen", können bereits die prächtigen baumbestandenen brandenburgischen Alleen die Fahrt in eine Zeitreise verwandeln.

Seit Theodor Fontane in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" auch dem Ländchen Beeskow-Storkow ein literarisches Denkmal setzte, wurde mancherlei über die Gegend und ihre Menschen zu Papier gebracht. Unzählige wandelten auf des Dichters Spuren. Ob nun per pedes, per Pferdekutsche oder später per Eisenbahn oder Automobil. Stets zog sie dieses malerische Gefilde in ihren Bann. Und so, wie sich immer wieder die Zeiten wendeten, kamen und gingen die Menschen. Vieles ereignete sich seither und noch längst ist nicht alles erzählt. Manches schien für die Ewigkeit gefügt und verschwand dennoch schneller als gedacht. Beständig geblieben ist die wunderschöne Landschaft. Ein seltenes Netz aus kleinen Bachläufen, sich natürlich verzweigenden Armen der Spree, historischen Wasserstraßen und vielgestaltigsten idyllischen Seen mit klarem Wasser. Wohin der Blick auch schweift, eingebettet in die liebliche Natur dieses sanftgewellten Landstrichs kuscheln sich immer wieder kleine Dörfer und Siedlungen zwischen Wald und Flur. Nicht zu vergessen die typisch märkische Heide mit ihrem feinen Sand, dem schließlich die Gegend den Begriff "märkische Streusandbüchse" zu danken hat. Tritt man aus dem bewaldeten Ufer heraus oder steigt auf einen der ungezählten Hügel - die hierzulande selbstverständlich Berge genannt werden - eine wunderschöne Aussicht erfreut die Seele. Den allerschönsten Blick auf diese Idylle haben gewiss die Störche, Seeadler, Ballonfahrer und was sich sonst noch so am Himmel tummelt. Auf andere Weise einmalig ist es, sich die beschauliche Landschaft auf und um den See herum auf ganz eigene Art zu erschließen. Jede Jahreszeit schmückt die Gegend auf besondere Weise. Mal mit leuchtendgelbem Raps, grünen Teppichen aus Moosen und Farnen, Sonnenblumen oder herbstlich buntem Laub. Ruht des Winters alles unter einer weißen Decke, liegt oft die Seeoberfläche spiegelglatt oder eisbedeckt. Dann wird die Stille besonders still.

Geprägt wurde diese Landschaft vor unvorstellbar langen Zeiten während der Weichseleiszeit. 70 000 - 10 000 Jahre liegt das zurück. Gewaltige Gletscher hatten das Land überzogen. Als sie schmolzen hinterließ das abfließende Tauwasser die Rinnenseen, Steine und Endmoränen. Berühmteste steinerne Zeugen sind die Markgrafensteine in den Rauener Bergen, die größten Findlinge im norddeutschen Raum. Samt der unzähligen kleinen und großen Steine waren sie in den gewaltigen Eismassen aus Schweden herangeschoben worden. Auch der mehr als 10 Kilometer lange Scharmützelsee ist als Rinnensee Resultat der Eiszeit. Erkennbar an seiner schmalen und langgestreckten Form, seinen Steilufern und der sich im Süden hinter Wendisch Rietz anschließenden Seenkette von den Glubigseen, über Springsee, Melangsee bis zum Tiefen- oder Grubensee in Limsdorf bis hin zum Neuendorfer See. Der Scharmützelsee ist zwischen einem und eineinhalb Kilometern breit und 10 bis ca. 29 Metern tief. Weil er sowohl einer der tiefsten und der größte See Brandenburgs ist, wird er auch gern "Märkisches Meer" genannt.

Bei soviel Wasser darf natürlich eine Scharmützelsee-Rundfahrt nicht fehlen. Immer wieder eröffnen sich vom See aus neue und reizvolle Blicke. Mal sind die teilweise schroffen Ufer baumbewachsen, mal blumenberankt oder mit Häusern bebaut, die in der Art von Schwalbennestern am Hang zu kleben scheinen. Von der Straße eher  bescheiden wirkende kleine Häuschen, zeigen sich auf der Seeseite oft genug in voller Pracht als imposante mehrstöckige Bauwerke. Dazwischen Gärten, Parkanlagen und Badewiesen. Gebündelte Naturschönheiten in dieser reizvollen Hügel-, Wald- und Seenlandschaft. Hinter jeder Ecke Schönes zu entdecken, braucht ein wenig Zeit und Muße. Menschen, die sich das Gefühl für Ursprüngliches bewahrt haben, finden hier sehr bald Gelegenheit, den Stress des Alltags und die Hektik der Städte hinter sich zu lassen. Mit offenen Augen und Ohren stellt sich die Ruhe zum Verweilen und Geduld beim Beobachten nach und nach wie von selbst ein. Wer die Faszination der Langsamkeit erst einmal entdeckt hat, kann Straßen und Wege als Zeittunnel nutzen und mit dem Öffnen der Sinne sich auf eine Reise in die Natur, zu Menschen und Dingen, zu Vergangenem und Gegenwärtigem begeben. Die volle Schönheit erschließt sich am sichersten denen, die ihre Streifzüge zu Fuß oder per Rad unternehmen. Ein motorisiertes Gefährt sollte auch mal verschnaufen dürfen. Mancherlei "Schätze" lassen sich so am Rande des Weges heben. Märkische Sehenswürdigkeiten kommen zwar eher still und bescheiden daher, doch spannende Geschichte und Geschichten sind allerorts zu finden. Überraschende Erlebnisse und aufschlussreiche Begegnungen eingeschlossen. So wie die Landschaft, sind auch die Menschen. Nicht laut, vordergründig oder aufdringlich, sondern zunächst eher zurückhaltend, manchmal gar spröde. Doch die Mühe, sie freundlich aufzuschließen, lohnt allemal. So manche Gäste - ursprünglich nur vom Wasser oder den Golf-, Tennis- und Reitplätzen angelockt worden - verliebten sich in die bezaubernde Landschaft und können seither nicht mehr von ihr lassen.

Zu Ostern 1881, es war Anfang April, begab sich Theodor Fontane wieder einmal auf eine seiner berühmten märkischen Wanderungen. Diesmal führte ihn sein Weg in das "romantische Land Beeskow-Storkow". Er reiste vom Bahnhof Fürstenwalde kommend per Pferdedroschke südwärts. Der philosophierende Kutscher - ein aus Hinterpommern zugewanderter Märker - war ihm ein guter Cicerone und fand des Dichters Sympathie. "Er hieß Moll und entsprach durchaus seinem Namen und gab was auf Bildung, Bücher und Zeitungen. Aber er hatte sich seinen guten Verstand und sein eigenes Urteil nicht weggelesen und hielt vielmehr umgekehrt mit einem gewissen Eigensinn an seinen einmal gefassten Ansichten fest. Selbstverständlich immer unter Wahrung artiger Formen. Er war gesprächig und mitteilsam, aber doch zugleich auch reserviert und lächelte viel." Die Rauenschen Berge, in denen damals noch Braunkohle abgebaut wurde, ließen sie unterwegs nicht links liegen.

Fontane wollte unbedingt die Markgrafensteine sehen. Schließlich stand damals im Berliner Lustgarten bereits die von Christian Cantian nach Entwürfen Schinkels aus dem Rauener Granit gehauene 22 Fuß (6,91 m) breite imposante Schale, der die Berliner flugs den freundlichen Spitznamen "Suppenschüssel" verliehen hatten. Fontane, statt gleich auf die "schöne Aussicht", den berühmten "Steinernen Tisch" zu klettern, bevorzugte zunächst den erhöhten Platz vom Kutschbock, um den damals noch freien Blick übers Land zu genießen und sich für den weiteren Weg zu orientieren. Vor ihm breitete sich ein unvergleichliches Panorama aus Höhenzügen, Gewässern, Wiesen, Feldern, Wäldern und Mooren. Und eingebettet in ein changierendes Grün, der Scharmützelsee mit seiner silbern funkelnden Oberfläche. An seinen Ufern duckten sich die Dächer Saarows und der Kirchturm Pieskows reckte sich in den blauen Frühlingshimmel. Wendisch Rietz  an der Südspitze des Sees war vermutlich eher zu ahnen als wahrzunehmen. Ob Fontane damals tatsächlich in der Ferne die Türme Berlins erkennen konnte oder seine dichterische Phantasie ihm einen Streich spielte, lässt sich heute nicht mehr nachprüfen. Alle Sichtachsen sind seit langem leider zugewuchert. Nur undurchdringliches Grün ringsumher.

Menschen siedelten rund um den See schon während der Steinzeit vor etwa 10 000 Jahren. Die bei Saarow und Dahmsdorf gefundenen Hügelgräber geben davon Kunde. Auch bei Pieskow nahe der Alaunberge wurde Ende des 19. Jahrhunderts ein großes Gräberfeld mit mehreren hundert Urnen und Grabbeigaben ausgegraben.

Dass viele Orte in der Gegend slawische Namen tragen, rührt aus der Zeit der Völkerwanderung. Damals ließen sich slawische Stä mme in den einstigen germanischen Gebieten nieder. Die Ortsnamen werden manchmal  unterschiedlich gedeutet: So soll Scharmützel "Scormicely" Vertrübung bedeuten; Rietz "Rycz" Graben oder Fließ; Glubig "Gluplu" träge oder See. Übrigens verläuft die Grenze zum Spreewald, in dem noch heute die Sorben (Wenden) der Niederlausitz leben, nur wenige Kilometer vom Scharmützelsee entfernt.

Zu den reichen Gegenden Deutschlands gehörte die Mark noch nie. Es war zu allen Zeiten schwer, dem kargen Sandboden das Lebensnotwendige abzuringen. Die Bauern blieben immer arm. Nachdem im Dreißigjährigen Krieg im Land gemordet und gebrandschatzt wurde, waren viele Höfe wüst und fast menschenleer. Es war nicht einfach, das Land wieder zu bevölkern und so dauerte es Generationen bis sich das Leben wieder einigermaßen normalisierte. Außer Landwirtschaft trieben die Bewohner um den Scharmützelsee vor allem Fischfang und verkauften das Holz der Wälder. Seit 1732 verbindet der Rietzer Graben den Scharmützelsee mit dem Storkower See. Als 1798 diese Verbindung bis zum Wolziger See und somit zur Dahme fortgeführt wurde, konnten nun die regionalen Produkte bis nach Berlin geliefert werden. Doch der große wirtschaftliche Aufschwung blieb trotzdem aus. Selbst der Bau der Eisenbahn Königs Wusterhausen - Beeskow 1898 änderte daran wenig. Noch zu Fontanes Zeiten schien der Landstrich aus der Wirklichkeit gefallen. Weit mehr als ein Jahrhundert ist seitdem verstrichen. An den Kurort Bad Saarow war seinerzeit noch nicht zu denken. Erst als im Jahre 1905 die Landbank Berlin AG die Güter Saarow und Pieskow kaufte, wurde die Landhaus- und Villenkolonie begründet. Sommersitze kamen gerade im Bürgertum in Mode. Industrielle und höhere Beamte erwarben Land und errichteten hier Sommerhäuser unterschiedlichster Art, vom damals üblichen Heimatstil bis hin zu prächtigen Jugendstilvillen und historisierenden Bauten. Alle einte der Wunsch, der drückenden Sommerhitze der Großstadt zu entfliehen und sich in der urwüchsigen Natur rund um den Scharmützelsee zu erholen. Die kleine Siedlung wuchs rasch und hatte bald eine eigene Wasserversorgung und ein Elektrizitätswerk. Bis 1911 war die Anreise noch beschaulich, ein Pferdeomnibus brachte die Bewohner und Gäste ins Grüne nach Saarow. Doch der Fortschritt war nicht aufzuhalten und so fuhren die Sommerfrischler bald mit der dampfenden und schnaubenden Eisenbahn von Fürstenwalde nach Saarow und Pieskow. Der Bahnhof Bad Saarow ist ohnehin eine architektonische Glanzleistung seines Erbauers Emil Kopp. Der Landschaftsarchitekt Ludwig Lesser sagte im Zusammenhang mit seinem gestalterischen Kurortskonzept zum Bahnhof: "Er sollte das Hauptentree des ganzen Ortes, gleichsam seine Visitenkarte sein. Der Bahnhofsplatz eines kleinen aber feingeistigen Wald- und Wasservorortes einer Weltstadt. Ein Platz, bei dessen Betreten der Ankommende den feinen Hauch verspürt, der dieser Siedlung ihren eigenen Charakter geben sollte. Vornehme, großzügige Einfachheit sollte der Grundton des Platzes sein."

Das erste Sanatorium für betuchte Gäste wurde 1911 eingeweiht. Wasserheilverfahren, medizinische Bäder, Massagen, Gymnastik, Diätkuren und Psychotherapie waren damals die Haupttherapien. Im Jahre1912 folgte die erste öffentliche Seebadeanstalt. Sie war im Stil der Zeit sehr großzügig gestaltet. Dennoch herrschten strenge Sitten, die eine keusch verhüllende Badebekleidung und in den Umkleidekabinen die strikte Trennung von Männlein und Weiblein vorsah.
Nachdem man 1912 Raseneisenmoor entdeckt hatte, gründete sich 1914 die Moorbad-Saarow-GmbH. Dem einst verschlafenen Saarow wurde der Titel Heilbad verliehen. 1919 ließ der Kurarzt und Leiter des Badewesens Dr. Paul Grabley das alte Herrenhaus der Löschebrands zum Sanatorium Eibenhof umbauen. Flugs entwickelte sich der Kurort zum Refugium der Prominenz sowie zu einem vielbesuchten Ausflugsziel, vor allem für die Hauptstädter. Bis zur Gründung der Doppelgemeinde Bad Saarow-Pieskow1923 taten besondere Steuervergünstigungen ein Übriges, wohlhabende Berliner an den Scharmützelsee zu locken. Als man 1927 eine Chlor-Kalzium-Solequelle in 175 Meter Tiefe entdeckte, schien der Kurort perfekt zu werden und Trinkkuren bereicherten das Angebot. Neben dem Moorbad gab es drei weitere Kurhäuser und einen gepflegten Kurpark entlang des Seeufers. Kein Wunder, dass sich die Liste der Prominenten, die ständig oder zeitweilig in Bad Saarow lebten oder sich hier erholten fast wie ein "Whos's who" der damaligen Berliner Welt der Diplomatie, Wirtschaft und Kunst liest. Zu den bekannt gebliebenen Namen zählen: Schauspielerin Anny Ondra und der legendäre Boxweltmeister Max Schmeling, die sich in Saarow trauen ließen; die UFA-Stars Käthe Dorsch, Victor de Kowa, Gustav Fröhlich und Harry Liedtke. Liedtke und seine Frau fanden im April 1945 beim Einmarsch der Roten Armee in Pieskow auf tragische und nicht ganz geklärte Weise den Tod. In der Künstlerkolonie am Dudel (heute Moorstraße) wohnten der Komponist Xaver Scharwenka, der Bildhauer Ludwig Thorak sowie die Maler Bruno Krauskopf, Wilhelm Kohlhoff und dessen hochgebildete Frau Catherine, die zwar auch malte, jedoch ob ihrer späteren Wahrsagerei und unerklärlicher Naturheilkünste als "Moorhexe" in Erinnerung blieb. Georg Michaelis, um 1909 Unterstaatssekretär im kaiserlichen Finanzministerium, empfahl einem Kollegen, doch lieber zum "Lago di Saarow" statt nach Italien zu reisen. Johannes R. Becher, dereinst expressionistischer Dichter und späterer DDR-Kulturminister fand 1948 in Saarow sein "Traumgehäuse". Dies Refugium brauchte die gespaltene Dichterpersönlichkeit wohl dringend, um ein wenig Abstand zur permanenten Gratwanderung zwischen dem überaus sensiblen Künstler und dem "funktionierenden" sozialistischen Politiker zu suchen. Seine wirkliche Bedeutung für die Literatur herauszufinden, wird vermutlich erst Literaturwissenschaftlern einer künftigen unvoreingenommenen Generation gelingen.

Der wohl berühmteste Kurgast aller Zeiten war jedoch von September 1922 bis Frühsommer 1923 der weltbekannte russische Schriftsteller Maxim Gorki. Kurz zuvor war sein Welterfolgsstück "Nachtasyl" - von Erwin Piscator inszeniert - allein in Berlin bereits weit über 600 mal aufgeführt worden und sein berühmtes Werk "Die Mutter", begleitete Generationen in aller Welt. So verband der Russe Gorki das beschauliche Saarow für kurze Zeit mit einer bis dato hier kaum wahrgenommenen Welt und sorgte durch seine zahlreichen Gäste für ein reges Treiben. Seiner vom Polizeipräsidium Berlin angeordneten Überwachung durch den Saarower Amtsvorsteher Kopp sind bis heute allerlei aufschlussreiche Dokumente über seinen damaligen Aufenthalt zu verdanken. Eher nebenbei ließ Gorki vom Chefarzt Dr. Paul Grabley seine Lungenkrankheit behandeln. Zunächst im Neuen Sanatorium am Kronprinzendamm und später im Eibenhof, damals eine der modernsten medizinischen Einrichtungen. Ansonsten schrieb er unermüdlich, gleich wo er gerade wohnte. Seine Umwelt nahm er nur wenig wahr. In Saarow entstanden u.a. die Erzählungen "Die erste Liebe",  "Menschen mit sich allein" und mehrere Dichterporträts. An seinen Erinnerungen "Meine Universitäten" arbeitete er ständig und schrieb außerdem ungezählte Briefe. Dass er täglich selbst bis zu fünfzig Briefe erhielt, sorgte bei der Saarower Post schon für Aufsehen.

Einen herben Rückschlag für den einst glänzenden Kurort gab es bereits während des II. Weltkrieges, als aus den Sanatorien Lazarette wurden. Und erst recht in den Jahren danach, als die Rote Armee die zentralen Bereiche Bad Saarows besetzte. Selbst Moorbad und Kurpark inklusive der anliegenden Villen wurden von der Außenwelt abgeschlossen. Gleichfalls errichtete die russische Armee an mehreren Orten Kasernenanlagen und besetzte das Schloss Pieskow. Obwohl das Zentrum des Kurortes für Deutsche tabu war, erholten sich bis 1990 in Bad Saarow jährlich zehntausende Urlauber in Betriebsferienheimen, Bungalows und auf Campingplätzen rings um den See. Nach dem Abzug der russischen Streitkräfte 1994 besann sich die Gemeinde Bad Saarow-Pieskow, an die alten Bädertraditionen anzuknüpfen. Das bis dahin von der Sowjetarmee abgesperrte einstige Kurzentrum mit den von den Besatzern völlig heruntergewirtschafteten Villen erstand mittlerweile wieder in alter Schönheit oder wurde durch Neubauten ersetzt bzw. ergänzt. Zu den neu errichteten Bauwerken gehört auch das "Theater am See", eines der kulturellen Glanzlichter des Kurortes. Seit 1996 wurden neben anderem eine neue 450 Meter tiefe Solequelle erschlossen und der Park wiederhergestellt. Auch das Alte Moorbad erstrahlt wieder in einstiger Schönheit. Die Rotunde bietet Platz für Ausstellungen. Seit 1999 die Saarow-Therme in Betrieb gegangen ist, besitzt Bad Saarow eine vortreffliche Wohlfühloase für Körper und Sinne. Sportlich Ambitionierte finden am Scharmützelsee ohnehin ein wahres Paradies. Beinahe alle Wassersportarten sind hier möglich. Traumhafte Golfparcours stehen Anfängern ebenso offen wie Weltklassespielern. Es gibt etliche kleine Reiterhöfe und das "Alwin Schockemöhle"-Pferdesportzentrum. Und auch eine Tennisakademie fehlt nicht. Jährlich Anfang September bringt das traditionelle "Radscharmützel" viele Tausende Radler auf die märkischen Straßen und Radwege.

Seit Bad Saarow-Pieskow nun 1998 wieder anerkannter Kurort Brandenburgs wurde, ist dies nicht nur an den wachsenden Gästezahlen zu spüren. Groß ist die Vielfalt kultureller Angebote für unterschiedlichste Ansprüche. Hier finden sich für beinahe jeden abseits vom Alltag vielfältige Möglichkeiten, Schönes und Interessantes zu erleben oder einfach nur Körper samt Geist zu erholen, sich wohlzufühlen und die Seele baumeln zu lassen. Und immer gibt es rings um den "Lago di Saarow" Natur pur und Ruhe gratis dazu.

Wolfgang & Hannelore Hoffmann


 

Bad Saarow     -   Thermalsole- und Moorheilbad

www.bad-saarow.de


 Neu Golm         Petersdorf        

Eine gewisse Noblesse strahlt der Saarower „Empfangssalon“ mit seinen weit ausladenden Kollonaden auf den Ankommenden auch heute noch aus. Sein Schöpfer, der Architekt Emil Kopp, plante den Bahnhof gleichsam als Visitenkarte des Ortes. Er wollte so die Weite und Eleganz der Landhaussiedlung am Scharmützelsee schon dem Ankommenden vermitteln. Mit einem Hotel und einer Ladenzeile wurde das Bahnhofsensemble am 11. November 1911 feierlich eingeweiht.


 

Neu Golm

Inmitten von Feldern und Wäldern ist Neu Golm zu finden, 1418 erstmals genannt als Golin, 1490 als Newngolm. 1495 wurde die Kirche erbaut. Der aus Feldsteinen errichtete Wehrturm stammt vermutlich noch aus dieser Zeit. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Kirchenschiff abgerissen und im Stil des Historismus neu gebaut. In der Heimatstube kann man seit einigen Jahren allerhand Interessantes und Wissenswertes erfahren.


 

Petersdorf

Petersdorf hat seinen eigentlichen Charakter als deutsches Straßendorf (1463) mit dem Bau der Landhaussiedlung in Saarow verloren. Direkt am malerischen See wurde eine zweite Straße gebaut, durch die nun unablässig der Durchgangsverkehr flutet. Noch 1680 wurde hier an den Hängen Wein angebaut.


 

Diensdorf-Radlow

Existiert seit 1961 als Doppelort. 1445 wurde Radlow und 1490 Diensdorf erstmals erwähnt. Funde belegen jedoch, dass hier schon seit 3400 Jahren Menschen siedelten.Das Rittergut Radloe gehörte von 1634 bis 1802 zu den Löschebrandschen Besitzungen. Die Menschen verdienten ihren Lebensunterhalt mit Landwirtschaft und Fischfang. Erst Mitte des 19. Jahrhundert kam die Ziegelproduktion hinzu, wovon heute noch viele Backsteinhäuser im Ort Kunde geben.

Mit dem Ausbau der Verkehrswege Anfang des 20. Jahrhunderts erwachte auch dieser Ort aus seinem Dornröschenschlaf. Gästezimmer, Pensionen und Gastwirtschaften brachten neue Einnahmequellen.


 

Langewahl

Mit Erlaubnis König Friedrichs II. durfte sich der ehemalige preussische Hauptmann Winkelmann - als Lohn für seine Verdienste - Ländereien bei Fürstenwalde aussuchen. Er konnte sich nicht entscheiden, überlegte hin und her, bis er ein Stück des märkischen Landes auswählte und das erste Haus in dieser Gegen errichtete. Nachdem wenig später noch weitere 22 Kolonistenfamilien angesiedelt wurden, brauchte man einen Ortsnamen. Man erinnerte sich an die Geschichte von der langen Wahl des ersten Siedlers und nannte man der Ort 1753 kurzerhand Langewahle.

In den benachbarten Dubrower Bergen ist die Osterquelle zu finden. Schon seit Generationen soll hier alljährlich in der Nacht zu Ostersonntag Osterwasser geschöpft werden.


 

Reichenwalde


 Dahmsdorf          Kolpin        

Beschaulich liegt das Dorf Reichenwalde, das von deutschen Siedlern um 1372 gegründet wurde.

Es gehörte einst zum Gut Saarow. Die Feldsteinkirche mit ihrem quadratischen Wehrturm stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die Kirche hat erhebliche Bauschäden und muss dringend saniert werden. Jede Unterstützung ist willkommen.   ( kirche-reichenwalde.de ) .
Direkt vor der Kirche steht das schlichte Grabkreuz des letzten Löschebrand mit der Inschrift: Grab des Carl Wilhelm Erdmann von Löschebrand, Königl. Rittmeister, Erb- und Gerichtsherr zu Saarow und Silberberg, Ritter pp; geb. 30. Oktober 1782; gest. 16. Juni 1860.

Die Hoffnungstaler Anstalten   sind der größte Arbeitgeber in Reichenwalde.


 

Dahmsdorf

Dahmsdorf ist mit seinen 125 Einwohnern das kleinste Dorf im Amt Scharmützelsee.
Es liegt im Landkreis Oder - Spree auf einer der zahlreichen kleinen Platten der Weichsel-Kaltzeit. Die Platte ist geologisch eine Grundmoräne mit dem fruchtbaren Geschiebemergel als Grundlage für den Ackerbau.

Aufgesetzt sind verschiedentlich Dünenzüge, die mit Kiefernwald bestockt sind. Die Verteilung von Feld und Wald lässt so gewisse Rückschlüsse auf den unmittelbaren Untergrund zu. Die Höhenlage der flachwelligen Landschaft wird mit 40 - 50 m NN angegeben. Nach Westen, zum Ufer des Storkower Sees (um 20 m NN), fällt das Gelände mehr oder minder stark ab. Dahmsdorf hat (derzeit noch) die trockensten Sommer und kältesten Winter im Bereich des Norddeutschen Tieflands.
Der abseits großer Verkehrsstraßen gelegene Ort bietet mit seiner weiten Landschaft, mit Feld, Wald und Wasser Anreize für Touristen.

Die Dorfstraße, Pension und Restaurant, Dorfhaus mit Vorlaube geben Dahmsdorf eine friedliche Atmosphäre. Aus dem 18.Jahrhundert sind noch Reste eines Bauernhauses vorhanden.
Die idyllisch gelegene Badestelle am Storkower See mit Blick nach Hubertushöhe liegt direkt unterhalb des Ortes am bewaldeten Hang.

Auch im Winter lässt es sich in Dahmsdorf gut entspannen.
Die guten Erholungsmöglichkeiten im Umfeld des Ortes haben auch die Besitzer der vorwiegend saisonal genutzten Bungalows der ab 1988 gegründeten Siedlungen nördlich und südlich des Ortes (ca. 80 Bungalows) und die Nutzer des Waldcampingplatzes am Ufer des Storkower Sees mit 200 Dauercampingplätzen erkannt.

Lesen Sie hier etwas über die zu den ältesten Dorfkirchen der Mark Brandenburg zählende Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert.


 

Kolpin

Kolpin wurde als Colpinchen 1445 erstmals erwähnt. Eingebettet in ausgedehnte Wälder findet sich hier eine ländliche Idylle. An den größtenteils mit Schilf bewachsenen Ufern des Kolpiner Sees sind viele Wasservögel, vor allem Schwäne, beheimatet. Der Name des Ortes ist wahrscheinlich von Colpa=Hügel hergeleitet.Auf Anweisung Friedrichs II. stellte der Förster von Colpinchen das Bauholz aus dem königlichen Forst für die Kolonistensiedlung Philadelphia bereit. Einer der weltbekanntesten Kolpiner ist der Erfinder und Velo-Designer Didi Senft. Im Teufelskostüm begleitet das Enfant terrible alljährlich die Tour de France.


 

Wendisch Rietz     -     staatlich anerkannter Erholungsort

www.wendisch-rietz.de

Der staatlich anerkannte Erholungsort Wendisch Rietz ist die zweitgrößte Gemeinde am Scharmützelsee. Es ist ein idealer Ausgangspunkt für Wasserwanderer. Von hier kann man sowohl den Scharmützelsee, als auch die kleinen Seen der Glubigseenkette oder den Storkower See und die Gewässer weiter bis nach Berlin erkunden.  Die Schleuse in Wendisch Rietz - 1862 gebaut  - ermöglichte die direkte Schiffsverbindung zwischen dem Scharmützelsee und dem Storkower See. So gelangten Kähne mit Ziegeln und Braunkohle bis direkt nach Berlin. Auf ihrer Rückfahrt brachten sie im Schlepp Segelboote aus Berlin mit.

Wendisch Rietz ist in den Kirchenbüchern von Dahmsdorf 1241 erstmals erwähnt. Offenbar war der Ort seinerzeit nur ein zugehöriges Vorwerk. Der Name Rietz (Rycz) bedeutet Fließ oder Graben.
Im 16. Jahrhundert gab es zwei Wassermühlen. Die erste 1514 am Rietzer Graben errichtet (jetzt: Storkower Kanal) und seit 1907 Ausflugslokal, brannte 1929 ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Die zweite -1533 errichtet - befindet sich am Verbindungsgraben zum Glubigsee. Die Ausstattung dieses in Deutschland einzigartigen technischen Denkmals ist noch vollständig erhalten. Seit 1742 gehört Wendisch Rietz zu Preußen.
Im siebenjährigen Krieg wurde der Ort von österreichischen Husaren geplündert, die ihr Biwak am Seeufer errichtet hatten. Daran erinnert noch der Name Husarenbucht.
Bereits ab 1898 fuhr die Eisenbahn von Königs Wusterhausen über Wendisch Rietz nach Beeskow und zurück, eine schnelle Verbindung in die Hauptstadt.